Lisa Eckhart: Die Vorteile des Lasters

Karcherallee
01277 Dresden

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Event organiser: AGENTOUR Haubold & Mendrok GmbH, Carusufer 11, 01099 Dresden, Deutschland

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Es war nicht alles schlecht unter Gott. Gut war zum Beispiel, dass alles schlecht war. Denn alles, was man tat, war Sünde. Wir waren alle gute Christen und hatten einen Heidenspaß. Die Hölle zählte Leistungsgruppen, Ablässe waren das perfekte Last-Minute Geschenk und lasterhaft zu sein noch Kunst. Doch dann starb Gott ganz unerwartet an chronischer Langeweile. Und bei der Testamentsverlesung hieß es, wir wären alle von der Ursünde enterbt. Fortan war kein Mensch mehr schlecht, jedes Laster nunmehr straffrei und die Hölle wegen Renovierungsarbeiten geschlossen. So fand der Spaß ein jähes Ende.

Heute ziehen Eisfirmen, Elektronikgeschäfte und jedes zweite Schlagerlied die sieben Sünden in den Dreck, indem man sie zur heiligen Tugend erklärt. Gott befahl uns zu entsagen, Coca Cola zu genießen. Man hat uns alles erlaubt und somit alles genommen. Polyamorie versaute die Unzucht. All-You-Can-Eat Buffets vergällten die Völlerei. Facebook beschämte die Eitelkeit. Ego-Shooter liquidierten den Jähzorn. Wellnesshotels verweichlichten die Trägheit. Sie alle haben’s schlecht gemeint. Doch schlecht gemeint ist bekanntlich das Gegenteil von schlecht. Und kein Zweck heiligt das Mittelmaß.

Darum gilt es, die Sünden neu zu erfinden. Wie widersetzt man sich der Spaßgesellschaft ohne den eigenen Spaß einzubüßen? Wie empört man seine Umwelt ohne als Künstler verleumdet zu werden? Wie verweigert man sich dem Konsumerismus ohne auf irgendetwas zu verzichten? Wie verachtet man die Unterhaltungsindustrie ohne Adorno schmeichelnd ans Gemächt zu fassen? Wie wird man zum Ketzer einer säkularisierten Welt?

Seien Sie neidisch auf andere, doch anstatt ihnen nachzueifern, ziehen Sie sie auf Ihr Niveau.

Seien Sie träge und zeigen Sie Ihrem Partner, wer in der Beziehung die Windeln anhat.

Seien Sie jähzornig und beschimpfen Sie Werner Herzog.

Seien Sie wollüstig und beschränken Sie sich nicht auf die zwei, drei Abgründe Ihres Körpers.

Seien Sie eitel und entreißen Sie Ihre Schönheit dem trüben Auge des Betrachters.

Seien Sie geizig und teilen Sie nicht länger brüderlich wie Kain den Schädel seines Bruders.

Seien Sie maßlos in allem, nur niemals der Mittelmäßigkeit.

Fotos: Franziska Schrödinger

Location

Junge Garde Dresden
Karcher Allee
01277 Dresden
Germany
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Als Freilichttheater Junge Garde wurde der heutige Große Garten im Südosten Dresdens 1955 eröffnet. Seit damals zieht sie jährlich tausende begeisterte Besucher zu Konzerten namhafter Stars, zur Theaterinszenierungen oder Filmvorführungen an.

In der ehemaligen Kiesgrube entstand unter Leitung Herbert Schneiders eine Open-Air-Bühne, die in ihrer runden Form an ein antikes Theater erinnert. Direkt anschließend befindet sich das zweistöckige Bühnenhaus, das Sonnenhäusle, in dem Büroräume, Sanitäreinrichtungen und die Gastronomie untergebracht sind. Es zeichnet sich vor allem durch die Verknüpfung von barocker und chinoise-Architektur aus, die geschickt mit regionalen Stilmitteln verbunden werden und es so zu einem einzigartigen Veranstaltungsort für die Stadt machen. Die Junge Garde in ihrer Gesamtheit steht wegen der herausragenden bau- und kulturhistorischen Bedeutung unter Denkmalschutz und soll saniert und modernisiert werden. So sollen zu den jetzigen über 4.600 Zuschauerplätzen weitere dazugewonnen werden.

Bis zur Wende fanden hier vorwiegend Unterhaltungs- und Familienprogramme eine Bühne, doch nach 1990 wurde die Junge Garde auch für Rock- oder Pop-Konzerte geöffnet. Unter dem heute so charakteristischen Muscheldach standen schon Lenny Kravitz, Deep Purple oder die Sportfreunde Stiller hinter dem Mikrophon und sorgten für enthusiastische Veranstaltungen.